Die Webmaschine als Revolution

Die Industrialisierung, welche ja auch einen gewissen Segen mit sich brachte, zerstörte schon früh viele Arbeitsplätze.

Angefangen hat es eigentlich in der Textilindustrie mit den mechanischen Webstühlen.

Lange ist es her.



Webstühle, wer kennt sie nicht. 


Oftmals findet man sie noch in Heimatmuseen ausgestellt. Große und heute verwirrend wirkende Gerätschaften. Früher waren sie in fast jedem Ort zu finden.

All dies ist natürlich lange her, heute hört man das schwirren des Schiffchen nicht mehr, wenn man durch die Straßen läuft – die Weber sind „fast“ ausgestorben.

Man könnte sagen diese Berufsgruppe war das erste Opfer der Industrialisierung.

Bereits im 16. Jahrhundert tauchten die ersten „Bandmühlen“ auf.Mithilfe dieser Webmaschinen konnte man Bänder herstellen. Freilich waren dies noch keine Maschinen nach unserem heutigen Dafürhalten.

Der älteste Entwurf eines mechanischen Webstuhls geht zurück auf das Jahr 1678, immerhin, er wurde jedoch wohl nie gebaut. Doch es sollte nicht mehr lange dauern, bis die Weberei sich automatisieren sollte.

Ein Seidenweber aus Lyon soll schon 1728 seine Webstühle mit Hilfe von gelochten Holzbrettern gesteuert haben, quasi eine Frühform der später verbreiteten Lochkarten, wenn Du so möchtest.

Wo wir beim Thema sind, Jacques de Vaucanson, nach welchem später Rechenmaschinen benannt wurden, entwickelte aus diesen Anfängen tatsächlich einen mechanischen Webstuhl, dieser wurde ebenfalls mit Lochkarten aus Holz gesteuert. Erstmalig ­war es jetzt möglich auch gemusterte Stoffe herzustellen.Beachtlich findet Ihr nicht?

Gut, all diese Varianten wurden immer noch von Hand bedient, aber im Jahr 1785 wurde „Power Loom“ vorgestellt. Dabei handelte es sich um den ersten vollmechanisierten Webstuhl, erfunden hat ihn EdmondCartwright – der nichts mit der Pondarosa Ranch zu tun hat, ehrlich.

Diese Erfindung läutete den Niedergang eines ganzen Handwerkerstandes ein.

Es kam zu regelrechten „Weberaufständen“.

Wir gehen noch einmal zurück nach Lyon.




Ein Mann mit dem Namen Joseph-Marie Jacquard verknüpfte geschickt die Steuerungstechnik von Vaucanson mit der Erfindung von Cartwright.Was herauskam? Voll automatisierte Lochkartenwebstühle, wenn man es so nennen möchte.

Eigentlich könnte man auch von den ersten „Computern“ der Welt sprechen, allerdings mehr im übertragenen Sinn. Ihr wisst, wie ich es meine.

Die Erfindung der Webmaschinen gilt heute als eine der revolutionärsten Meilensteine in der industriellen Entwicklung, und wenn man überlegt, wie lange es schon zurückliegt, Wahnsinn.

Du siehst, auch vor mehr als hundert Jahren hatten die Menschen mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie wir heute.



 Soweit mein kleiner Ausflug in die Anfänge der Automatisierung.


Weshalb es hier in den letzten Tagen so ruhig war?

Ganz einfach, mein Internet hat einen kleinen Streik eingelegt. Wirft uns mittlerweile ganz schön aus der Bahn oder?

Liebe Grüße und komm gut durch die Hitze :)

Björn :-)












Bild 1: Library of Congress Prints and Photographs Division Washington, D.C. 20540 USA http://hdl.loc.gov/loc.pnp/pp.print
Bild 2: Library of Congress Prints and Photographs Division Washington, D.C. 20540 USA http://hdl.loc.gov/loc.pnp/pp.print

Was Ihr dazu meint...

  1. Meine Waschmaschine und meine Spülmaschine möchte ich nicht mehr missen, aber ansonsten ist so eine Automatisietung zum Teil schon kritisch zu beäugen...Kleidung, Geschirr...und andere Dinge des täglichen Lebens werden einfach nicht mehr so geschätzt, weil sie nicht mehr in Handarbeit hergestellt werden und so nicht viel kosten...Zu oft werden sie schnell mal ausgetauscht...weil sie nicht mehr trendy sind...LG Lotta.

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    1. Hallo Lotta,

      da stimme ich Dir gerne zu. Vieles wird immer günstiger und dann wundert man sich über die mangelnden Arbeitsbedingungen ^^ Wobei, wenn es nach unserer Industrie ginge, wir würden unter den gleichen Bedingungen "gehalten" ;)

      Liebe Grüße
      Björn :)

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  2. Lieber Björm,
    danke für diesen tollen Bericht über Webmaschinen. Die alten Bilder dazu sind klasse! Ja, einige Maschinen mag man wirklich nicht mehr missen. Eine Spülmaschine oder einen Trockner, die gibt es aber hier nicht... da mag ich es lieber althergebracht ;O)
    Schön, daß Dein PC wieder funktioniert... da merkt ich auch immer, wie schnell er mir fehlt, wenn er mal nicht will .... aber, es ist ja auch eine schöne Errungenschaft, wie sonst könnten wir untereinander so schöne Dinge teilen, obwohl wir ja überall verstreut leben !? ;O)
    Ich wünsche Dir noch einen wunderschönen Nachmittag!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

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    1. Hallo Claudia,

      einen Trockner haben wir auch nicht, eine Spülmaschine jedoch schon lange. Aber ich habe natürlich auch sehr viele handbetriebene Sachen in meiner Sammlung ;) Sogar eine kleine Waschmaschine mit Handbetrieb *g*

      Das ist für mich heute noch faszinierend, über so weite Strecken sich austauschen zu können :)

      Liebe Grüße und einen schönen Abend für Dich
      Björn :)

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  3. Hallo Björn,
    vielen Dank für Deinen interessanten Bericht. Jetzt kann ich auch den Herrn Jacquard zuordnen.
    Die Fotos werde ich demnächst meiner Mutter zeigen, denn sie hat als junge Frau schon an Webstühlen gearbeitet.
    LG
    Astrid

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    1. Hallo Astrid,

      das ist für Deine Mutter sicherlich interessant. Bei uns gibt es im Dorf noch eine Strasse "Schnurrgasse", die nennt sich so, weil dort früher Weber waren :)

      Liebe Grüße
      Björn :)

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  4. Lieber Björn, vielen Dank für deinen Bericht über Webstühle. Er zeigt uns, die Industrie geht immer weiter und lässt sich nicht aufhalten. Heute ist sehr vieles Computergesteuert, und wir werden bald nur noch auf Knöpfchen drücken und von Handarbeit träumen.
    Danke und einen schönen Tag. Liebe Grüße, Margot.

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    1. Hallo Margot,

      es geht immer weiter mit der Technisierung der Welt, ob dieser Trend positiv ist ^^
      ich denke man wird es erst in ein paar Jahrzehnten beurteilen können wohin es führte.

      Glücklicherweise habe ich noch viele Geräte und Gegenstände bei welchen pure Handarbeit gefragt ist, ich denke da nur an meine Grammophone ;)

      Liebe Grüße und auch Dir einen angenehmen Tag
      Björn :)

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  5. Hallo Björn,
    beim ersten Foto musste ich gleich an den Geschichtsunterricht in jungen Jahren denken, das Thema ist mir irgendwie in Erinnerung geblieben. Webstühle kenne ich keine mehr, nur die Strickmaschinen der nicht mehr existierenden Firma hier im Ort. Dort wurden Babystrampler gestrickt und es war natürlich ein bleliebtes Ausflugsziel zum Thema Produktion.
    Danke für den Bericht.
    LG
    Manu

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    1. Hallo Manu,

      mir auch ;) Ob es heute auch noch eine solche Stellung im Unterricht einnimmt ^^
      Ich kenne diese automatische Variante auch nicht, nur die hölzernen Einzelwebstühle - man sieht sie ab und an in einem Heimatmuseum.

      Sicher interessant, so eine große Strickmaschine habe ich noch nie gesehen, nur die kleinere Heimvariante :)

      Liebe Grüße
      Björn :)

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  6. Hallo Björn,
    wenn ich da was von "Weberaufständen" lese, dann fällt mir auch gleich die "Kinderarbeit" ein, eine schlimme Zeit muss das damals gewesen sein!
    Darf ich deinen Beitrag wieder im Guckloch verlinken?
    LG Heidi

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    1. Hallo Heidi,

      die Kinderarbeit gibt es ja heute noch in vielen Regionen der Welt, schon schlimm. Selbstverständlich darfst Du den Beitrag verlinken, ist mir doch immer eine Ehre :)

      Liebe Grüße
      Björn :)

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