Wörter vom Aussterben bedroht - Folge 12

Machen wir uns wieder auf ein Wort vor dem Untergang und dem Vergessen zu bewahren.

Ihr kennt es ja bereits, heute schon in der zwölften Folge.

Also "frisch, fromm, fröhlich, frei ans Werk..."















Unser heutiges Wort war früher in aller Munde, gut es war in aller Finger ;)

Zunächst vorweg, auf dem Bild hier oben ist es nicht - da gab es wohl noch keinen Selbstwähldienst und damit war es nicht notwendig.


***

Meine erste Begegnung hatte ich damit als Kind, da waren die Dinger rundherum meist grau und manche hatten sogar kleine Decken an, vielleicht waren dort die Wohnung etwas zugig ^^

In unserer Wohnung gab es so etwas zunächst gar nicht, erst später und es war dann auch nichts für Kinderhände, obwohl man damit auch spielen konnte. Aber gut, es gab dafür Spielzeugmodelle die hatten so etwas auch und da durfte ich drehen so oft ich wollte.
***

Ganz früher musste man ja, um zu telefonieren, immer dieses "Fräulein vom Amt" in die Leitung holen - die sind heute sicher alle in Rente, ich habe aber einmal eine davon kennengelernt.

Mein heutiges Wort wurde erst gebräuchlich durch Almon Strowger, dieser Herr erfand im Jahr 1889 ein Vermittlungssystem mit welchem der Teilnehmer selbst seinen Gegenüber wählen konnte.

Aha - allerdings gab es da mein Wort noch nicht und es handelte sich auch nicht um eine Scheibe sondern um Tasten.


***

1896 gab es wieder ein Patent, diesmal von A.E. Keith und John und Charles J. Erickson - diesmal wurde die Wahl mit Hilfe einer "Wählscheibe" getroffen - perfekt.

In Deutschland wurde erstmals im Jahr 1908 durch die Reichstelegraphenverwaltung in den "Hildesheim" Fernsprechapparaten ein Nummernschalter eingesetzt. Ui, bin ich heute technisch ;)

Aber, der Nummernschalter wie man ihn auch heute noch kennt, der wurde von der Firma Siemens & Halske im Jahr 1913 entwickelt.



















So prägten fortan die Wählscheiben der Fernsprechapparate die Haushalte und wir drehten an der Scheibe um den richtigen Gesprächspartner an die Strippe zu holen.

Was war es doch eine Plage wenn man sich dabei verwählte, ach ja, wieder von Vorne anfangen und dreh dreh dreh.....


***

Viele entwickelten die Angewohnheit, gerade in Büros sehr beliebt, mit einem Stift zu wählen. Es gab auch die Unsitte mit Stiften oder Korrekturfarbe in den Ziffernmulden zu Pinseln, so findet man man immer wieder kleine Kunstwerke ;)

Und heute? 

Heute sind sie weitgehend verschwunden oder bloße Nostalgie und das Wort "Wählscheibe" schaut einem traurigen Schicksal entgegen, es sei denn....



Was Ihr dazu meint...

  1. Hallo Björn,
    es ist immer wieder interessant zu sehen wenn kleine Kinder auf so ein Telefon stoßen. Als solches wird es zwar erkannt, aber dieses Ding da in der Mitte ????? dafür gibt es kein Wort. Warum? Weil es nun mal nicht mehr benannt werden muss, denn benutzen wird wohl kaum noch jemand ein altes Telefon.
    Ich mag solch alte Dinger sehr gern und bin froh, dass ich noch eins habe. Immer wieder lasse ich die Wählscheibe drehen - es hat so einen schönen Klang.
    Ein schöner Beitrag und hab nen schönen Sonntag - Stine -

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Stine,

      ich finde diese alten Telefone wirklich schön und tatsächlich steht noch ein W48 zur Benutzung in unserem Flur, meist werden allerdings damit nur Telefonate angenommen - wegen der Wählerei ;)

      Den Klang finde ich auch toll :)

      Liebe Grüße und eine tolle Woche
      Björn :)

      Löschen
  2. guten Morgen, lieber Björn - ein wirklich wunderschöner Beitrag von Dir; wo ist bloß die Zeit hin bzw. ach, wie haben sich die Zeiten bloß geändert..Ich weiß heute noch unsere Tel.Nr. auswendig - 0222 (war damals die Vorwahl von Wien) 56 29 424. Und ich glaube, ich darf die Nummer ruhig öffentlich posten - würde mich sehr wundern, wenn jemand diese Nummer wählt und es bei mir läutet *gggg*. Ich habe diese Telefone geliebt --- nur die potthäßlichen Telefonregister (die unter dem Telefon anzubringen waren, so aufklappbare Dinger aus den 70ern - die mochte ich nicht. Ich wusste alle Tel.Nrn auswendig. Ich wünsche Dir einen friedlichen Sonntag; glg, Monika

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Monika,

      wir haben heute auch noch eine vierstellige Nummer, was mich sehr freut :) Die Telefonregister waren sehr weit verbreitet, richtig, wir haben auch noch ein paar *lach* mit den wichtigen Nummern von Damals ;)

      Liebe Grüße und eine tolle Woche
      Björn :)

      Löschen
  3. Guten Morgen Björn,
    es ist schon unglaublich welche Entwicklung das Telefon erlebt hat und wir mit ihm. Tatsächlich hatten in meiner Kindheit die wenigsten Leute Telefon. Wenn wir der Oma in der Vorstadt was zu sagen hatten, mußten wir zu Fuß hingehen. Dann gab es dort zur Belohnung ein Stück Kuchen oder zumindest einen Apfel. Ach war das eine gemütliche Zeit :-).
    So ein grünes Ding hatten wir dann später auch. Aber telefoniert wurde nur wenn es unbedingt notwendig war und Auswärtsgespräche nur nach 8 Uhr abends, weils dann billiger war (ich bin aus Schwaben!).
    Heute kann ích es mir gar nicht mehr vorstellen, ohne Handy aus dem Haus zu gehen. Es könnte ja was Wichtiges sein. Wobei diese "Wichtigkeit" relativ ist und von mir nur als solche empfunden wird.
    Vielen Dank für Deine anregenden Erinnerungen
    LG Sabine

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Sabine,

      das stimmt, wie schnell die Entwicklung der Telefone in den letzten Jahren ablief, Wahnsinn - ich staune immer wieder. In meiner Kindheit hatten wir auch kein Telefon und als wir eines hatten, dann hatten bestimmte Freunde keines und man musste dennoch zu Fuß los *lach*. Das abgebildete grüne Telefon ist tatsächlich das erste Telefon in unserem Haus gewesen, heute steht es in meinem Büro als Erinnerungsstück :)

      Liebe Grüße und eine tolle Woche wünsche ich Dir
      Björn :)

      Löschen
  4. Hach ja, die gute alte Wählscheibe.
    Ich fand das immer toll, habe gerne gedreht. Und auch ich hatte ein Spielzeugtelefon, an dem ich drehen konnte, wie ich wollte :D
    Damals waren wir in dem Mehrfamilienhaus, in dem wir wohnten die einzigen, die überhaupt ein Telefon hatten.
    Da klingelte es immer wieder mal an der Tür und ein Nachbar stand mit der Bitte, einmal das Telefon nutzen zu dürfen im Rahmen.
    Wenn die Telefonate in der gleichen Stadt blieben, musste man auch gar nicht so viel drehen, denn die Telefonnummern bestanden nur aus vier Ziffern. (und meine Eltern haben diese Telefonnummer heute noch)
    Ungeduldig wurde ich dann nur mal, weil die Drehscheibe so fürchterlich langsam zurück drehte ;)
    Unser Telefon war genauso eins wie das grüne hier, aber in grau....und ohne Deckchen!

    LG
    Angela

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Angela,

      ich drehe heute noch gerne daran und immer wenn ich unten am Schreibtisch bin muss ich einfach einmal drehen ;) Bei uns im Ort gibt es sogar Telefonnummern mit drei Ziffern - wir haben aber noch vier.

      Das grüne hier ist tatsächlich unser Telefon gewesen, ebenfalls ohne Decke ;)

      Liebe Grüße und eine schöne Woche
      Björn :)

      Löschen
  5. Oh ja... Wählscheibe... So ein Spielzeugtelefon hatte ich auch. Die gibt es heute immer noch und sehen exakt so aus, wie die von damals. Die haben sich kein bisschen verändert. Bei älteren Leuten damals habe ich auch die Telefone in so gehäktelten Deckchen gesehen. Aber damals wurde ja alles umhäkelt irgendwie. Auch die Klorolle im Auto, die heute keiner mehr hat.^^

    Ein Fräulein vom Amt habe ich nie kennengelernt und auch kein Telefon mehr gekannt, dass keine Drehscheibe hatte.

    Zum Glück gab es damals noch keine Handys mit ihren langen Nummern... da hätte man ja noch länger gedreht.^^
    War ja schon schlimm genug, wenn man jemanden mit Vorwahl anrufen musste.^^

    Liebe Grüße
    Sonja

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Sonja,

      das wusste ich jetzt nicht, dachte heute spielt jedes Kind gleich mit einem Handy herum ;) Die Häkeldecken kenne ich auch *lach* und ich habe mich schon als Kind darüber gewundert, wir hatten so etwas nicht, aber damals war wohl das Telefon ein sehr wertvoller Apparat und er gehörte ja auch der Post ;)

      Die Klorollen gibt es aber auch heute noch ab und an, meist zusammen mit wackelnden Dackeln ;)

      Vielleicht erzählen irgendwann die Menschen von Handys in gehäkelten Hüllen *g*

      Liebe Grüße und eine tolle Woche
      Björn :)

      Löschen
  6. Hallo Björn,
    die Wählscheibe ist mir noch gut in Erinnerung. Die Teenies allerdings standen davor und wußten nicht wie man damit eine Nummer wählen sollte. Denen war nicht bewusst, dass man bis zum Anschlag drehen musste.
    Früher gab es auch noch Einheiten und man durfte ja nicht zu lange telefonieren. Und als der kleine Bruder von mir geboren wurde und der immer heimlich daran herum drehte, kam sogar ein Schloß dran.
    Und am gruseligsten fand ich die mit Samt bezogenen Telefone, womöglich noch auf den Telefonbänken, grrr!
    Unseres erstes war übrigens grau, mit gedrehtem Kabel aussortiert von der Firma meines Vaters. Wir bekamen sehr spät ein Telefon, ab und an musste meine Mutter bei der Nachbarin ans Telefon wenn mein Vater angerufen hat. Kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.
    LG und komm gut in die neue Woche
    Manu

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Manu,

      kaum zu glauben wie schnell sich die Zeiten geändert haben, als Kind gab es bei uns noch gar kein Telefon - jetzt steht das abgebildete in meinem Schrank :)

      Wo Du es erwähnst, die Telefonschlösser hatte ich ganz vergessen ^^ die gab es - stimmt, kurios oder. Später gab es Tastentelefone mit Schlüssel *g*

      *lach* die samtenen und in Deckchen verpackten Telefone scheinen heute keine Zukunft mehr zu haben. Unser erstes Telefon ist das abgebildete Exemplar und ich habe sogar noch die Belege dazu *lach* und die Postkarte "Ruf doch mal an"...

      Liebe Grüße und eine schöne Woche
      Björn :)

      Löschen
  7. Für das Beenden eines Gesprächs gab es früher so schöne Begriffe wie "einhängen", "den Hörer auf die Gabel knallen" oder "auflegen". Eine Radiosendung hiess "Gut aufgelegt". Wie plump ist dagegen der aktuellen Terminus "wegdrücken".

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Schreibman,

      einhängen, ja ist mir auch noch geläufig - ich habe zu Hause so ein uraltes Wandtelefon, hier sind Hörer und Sprechgarnitur noch getrennt - da passt der Begriff perfekt (das Telefon ist allerdings nicht mehr in Funktion).

      "Leg auf" klingt wesentlich freundlicher als "Drück ihn weg" - stimmt.

      Liebe Grüße und eine schöne Woche
      Björn :)

      Löschen
  8. oh jaaa, ich erinnere mich noch sehr gut daran. Wir hatten eins in moosgrün, davor war eins in knatschorange, und weinrot war auch mal in ;)
    LG Eva

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Eva,

      das grüne Exemplar hatten wir auch (ist hier im Bild zu sehen), die orangenen waren auch verbreitet stimmt *lach* die grauen waren die ersten dieser Serie, sie kamen quasi ganz modern nach den schwarzen W48 Apparaten aus den 1950er Jahren :)

      Liebe Grüße
      Björn :)

      Löschen
  9. ... drehen und einhängen - das ist länger her, als ich alt bin - ich legte schon auf :-)

    Schöne Erinnerung - danke - Monika

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. ...wir hatten zunächst gar kein Telefon *g* und dann kam das Drehen, heute habe ich alle Varianten ;)

      Liebe Grüße
      Björn :)

      Löschen
    2. Schöne Bilder und ein cooler Blog hier, habe im Keller und Garage auch noch einiges an alten Sachen rumliegen, für mache bestimmt Schmuckstücke, die einen an die gute alte Zeit erinnern. W48 habe ich gerade hier gelesen, sagt mir was und werde in den Kisten kramen.
      Gruß vom Niederrhein
      Derk

      Löschen
    3. Hallo Derk,

      W48 habe ich auch, wird sogar noch benutzt - ab und an und hängt an der "Strippe", ein wirklich toller Apparat :)

      Liebe Grüße
      Björn :)

      Löschen

alltagserinnerungen.de | Design and Content © Erinnerungen aus dem Alltag. | 2015.