Fridolin der Regenwurm.





Fridolin der Regenwurm.


Die Wiese war ein großer Lebensraum, alle möglichen Arten von Pflanzen aber auch viele Tiere lebten dort.

Da gab es große Tiere – wie die Familie Hase oder Meister Grimbart, aber auch kleine – wie Karl, der Mistkäfer oder Elvira die Spinne. Ja sogar ganze Staaten lebten hier, Ameisenhausen und Bienendorf. Haben wir etwas vergessen? Ach, ja natürlich. Es gab auch Fridolin – Fridolin den Regenwurm.

Fridolin, noch ein junger Stenz, lebte hier mit seinen Eltern. Es war ein gemütliches Leben, so eingegraben in der nahrhaften Erde und kaum behelligt im Schutze der Pflanzen die hier besonders dicht wuchsen. Man konnte es sich gut gehen lassen und Fridolin tat dies auch. Zumindest tat er dies bis, ja bis er eines Tages Emil die Kellerassel traf. Emil war auch noch ein junger Spund und er war ziemlich neugierig und vorwitzig. Etwas was in mit Fridolin verband.

Immer weiter führten die beiden ihre Ausflüge durch die Wiese – man legte immer weitere Wege zurück und zu Hause wurde Fridolin oft geschimpft. „Du sollst doch nicht so weit weggehen!“ Aber Fridolin nahm das alles nicht so voll, ja die Jugend halt.

Eines Tages, es war ein heißer und schwüler Tag, zog es sie wieder raus.Immer weiter und weiter liefen sie, um immer neue Entdeckungen zu machen. Bis sie an den Rand der Wiese kamen. Vor ihnen lag etwas das irgendwie grau war – es schien endlos weit zu gehen, bis zur anderen Seite, wo am Horizont wieder eine Wiese auftauchte.


Ein neues Land? Eine zweite Wiese? Da mussten sie hin.

Fridolin zögerte zunächst, aber Emil ließ ihm keine Ruhe – da wird schon nix passieren, es ist uns bisher nie etwas passiert… das überzeugte Fridolin schließlich und sie machten sich auf den Weg.Kaum waren sie auf diesem grau angekommen, bemerkte Fridolin wie heiß es hier war…ja fast glühend für ihn – ihm wurde förmlich die Flüssigkeit ­herausverdampft…“Emil, du wi…wir müssen umkehren, ich kann nicht mehr…“ rief Fridolin seinem vorausgeeiltem Freund hinterher. Dieser jedoch hörte ihn gar nicht mehr, so weit war er bereits voran gelaufen.


Fridolin sackte zusammen, es ging nicht mehr - so sehr er sich bemühte, er saß fest. Hätte er doch bloß auf seine Eltern gehört, ach jetzt war es zu spät. „Ich armer Wurm“, seufzte er gerade, als er Donnergrollen hörte, die ganze Erde bebte förmlich. Etwas Riesenhaftes warf einen Schatten auf ihn herunter. Ehe er sich versah, wurde er in die Höhe befördert. Ob das der Weg in den Himmel war?Er wagte kaum die Augen zu öffnen, als er es doch – äußerst vorsichtig – tat, sah er zwei riesige Augen:Das musste einer dieser Menschen sein, von denen seine Eltern oft gesprochen hatten.

Unterdessen hatte auch Emil bemerkt, dass sein Freund nicht mehr da war – „Fridolin“ rief er laut, aber er erhielt keine Antwort – sofort rannte er zurück, es musste etwas geschehen sein – er musste zu Hilfe holen in der Wiese.

Gleichsam näherte sich weiteres Donnergrollen und Fridolin hörte diesen Menschen, es schien ein kleineres Exemplar zu sein, sagen „Mami, schau mal was ich gefunden habe!“ – „Igitt, Jasmin, wirf das weg – das ist ja ein Regenwurm!“ und noch eh man „Mau“ sagen konnte flog Fridolin in einem hohen Bogen durch die Luft.


Dabei können Regenwürmer gar nicht fliegen.

Langsam merkte der bedauerliche „Flieger“ das sich seine Höhe verminderte – toll, das war es endgültig – er würde auf diesem grau zerschmettern. Das Ende.


Ende? Nein, zum Glück noch nicht. Mit geschlossenen Augen schlug Fridolin auf einem hohen Grashalm auf und plumpste dann weiter auf eine tief stehende Blüte, welche mit dem Wind gerade zur Seite neigte und unversehens fand sich Fridolin auf dem Boden. Er lebte.


Vorsichtig untersuchte er sich – alles schien noch da und der Boden war nicht mehr grau, er schien in der Wiese zu sein. Da vernahm er ein bekanntes Brummen – eine Hummel von der Wiesenrettung flog über ihn hinweg. „Hier bin ich…“ rief der gelandete Pilot nach oben und sofort umkreiste ihn die Hummel ein paarmal und verschwand dann wieder mit lautem Brummen…

Es dauerte nicht lange, er hatte sich gerade auf den Weg gemacht nach Hause zu kommen, als eine Gruppe Ameisen vorbei kam, sie hatten eine Bahre dabei und untersuchten ihn eingängig, schließlich hoben sie ihn auf und brachten ihn in schnellem Tempo nach Hause zurück.

Wie war die Freude groß als seine Eltern und Emil ihn wieder sahen. Auch er war froh, letztlich war alles gut ausgegangen und er war mit dem Schrecken davon gekommen. Sogleich versprach er seinen Eltern, künftig nicht mehr solche Ausflüge zu machen und immer in der Nähe zu bleiben.Er und auch Emil hielten sich in ihrer weiteren Jugendzeit daran und sie verlebten eine schöne Kindheit auf der Wiese.

Eine kleine Erzählung von B. Schröbel.






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Bildrechte:
Regenwurm © Nico Jende #12871567 @ fotolia.com
- Weitere beim Autor.

Was Ihr dazu meint...

  1. Oho, ich sehe schon den Beginn einer wunderbaren Kariere als Autor. ;)

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  2. Ja ganz ehrlich, das wäre eine wunderbare Geschichte für ein Bilderbuch.
    So eine Geschichte könnte ich im Kindergarten gerade gut gebrauchen! ;)

    LG Angela

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  3. Richtig nette, spannende Geschichte! Hat mir sehr gut gefallen!
    LG Calendula

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  4. Mein liebes Schröbelchen,
    also jetzt wird es wirklich Zeit, daß Du endlich mal ein Buch schreibst! Das kannst Du wirklich gut! Fridolin und Emil... eine schöne Geschichte :-)

    Liebste Grüsse,
    Silvi

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  5. Supersüß, diese Geschichte werde ich meinem Enkelchen vorlesen. :-)
    Weiter so!
    Liebe Grüße
    Elke

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  6. Erinnerte mich auf den ersten Blick an den Maulwurf bei Sendung mit der Maus. Was habe ich ihn geliebt. Sein Stimmchen war/ist so niedlich.

    Nun zu Fridolin. Wie Angela schon schrieb, eine wundervolle Geschichte für ein Bilderbuch. Klasse!

    Ganz viele liebe Grüße, Lill (mit *fg* Muskelkater)

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